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Ein weites Land – Himmlische Raumvermessung

Wie stellst du dir den Himmel vor? Ich hoffe, du stellst ihn dir nicht so vor, dass man dort auf einer einsamen Wolke sitzt und den ganzen Tag gelangweilt Harfe spielt. Wenn so die Ewigkeit sein sollte, kann man den Münchner im Himmel verstehen, dem so ein „Paradies“ zu fad erscheint. Dann wäre tatsächlich das Hofbräuhaus interessanter als ein immerwährendes „Hosianna“ auf der trockenen Baustelle. Anhand der Heiligen Schrift wissen wir aber: So – Gott sei Dank – ist der Himmel nicht. Aber wie ist dann der Himmel? Wie sieht es dort aus? Wir finden in der Heiligen Schrift beim Seher Johannes in der Offenbarung in den beiden letzten Kapitel der Bibel tatsächlich die Antwort, wie der Himmel aussieht. Denn genau das beschreibt Johannes und er erzählt es mit überraschender Genauigkeit. Auf diese Reise in die Ewigkeit wollen wir nun Johannes auf dem Weg in das Himmlische Jerusalem folgen. Wenn wir eines Tages in den Himmel kommen und alles so vorfinden, wie Johannes es beschreibt, sind wir immerhin gut vorbereitet. So viel sei schon einmal gesagt: Der Himmel ist ein weites Land.
Johannes beginnt die Schilderung seiner Vision vom Himmel mit den Worten: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb 21,1). Neue Erde? Was ist mit der alten? Seine Antwort: Die erste Erde, also unsere Erde, gibt es nicht mehr und „auch das Meer ist nicht mehr“ – eine schlechte Nachricht für alle Strandurlauber. Jetzt aber die gute Nachricht: „Er, Gott, wird in ihrer Mitte wohnen“ (Joh 21,3). Gott und Mensch leben also in ein und derselben Stadt. Was macht Gott in dieser Stadt? Die Antwort von Johannes: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, kleine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offb 21,4). Ist das besser als ein Strandurlaub? Aber auch die Wasserliebhaber kommen auf ihre Kosten: „Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt“ (Offb 21,6). Das ist zwar immer noch kein Badeurlaub, aber die Vision ist ja auch noch nicht zu Ende. Es geht weiter: „Die Heilige Stadt Jerusalem kam von Gott her vom Himmel herab; sie glänzte wie ein kostbarer Edelstein“ (Offb 21,10-11). Die himmlische Stadt Jerusalem schwebt also. Dass es sich hierbei aber nicht um ein Luftschloss handelt wird deutlich, wenn Johannes in seiner Vision mithilfe eines Engels in die Stadt hineingeht. Es gelingt ihm, die Stadt zu betreten, da ein Engel ihn zuvor auf einen „großen, hohen Berg“ (Offb 21,10) führte. War es der Mount Everest? Zumindest muss Johannes, um das Himmlische Jerusalem zu betreten, die Erde verlassen. Die Stadt, die er nun betritt, hat eine Breite von 12000 Stadien, was ungefähr 2400 km entspricht. Das ist grob die Strecke von München nach Aleppo in Syrien. Eine weite Stadt; eher ein weites Land. Aber es genügt noch nicht, denn das Himmlische Jerusalem ist genauso lang wie breit. Also nochmal die Strecke von München nach Aleppo, diesmal in die Länge. Bemisst man die Länge mit der Breite so ergibt sich eine Fläche von 5.760.000 Quadratkilometer. Das ist sechzehnmal Deutschland. Ein noch weiteres Land also, obwohl lediglich Stadt. Aber auch das scheint nicht groß genug zu sein, denn Johannes sieht im Himmlischen Jerusalem noch eine dritte Dimension, die in die Höhe führt. Und wie hoch reicht das Himmlische Jerusalem? Nochmal 12000 Stadien, also nochmal 2400 km. Johannes sieht also einen gigantischen kosmischen Würfel, der zwölf Tore hat, davon drei in jeder Himmelsrichtung, um in die Stadt hineinzugelangen. Die Tore sind eingegliedert in eine rund 70 Meter hohe Mauer, was ungefähr der dreieinhalbfachen Höhe des Münchner Siegestores entspricht. Im Vergleich zur Gesamthöhe der Stadt ist die Mauer klein; sie dient daher wahrscheinlich nicht der Verteidigung, sondern eher der Zierde, da sie aus Jaspis, einem Edelstein, besteht. Doch eine Kuriosität ergibt sich hierbei: Wie kann eine Stadt, die 2400 km hoch ist, nochmal eine 70 Meter hohe Mauer haben? Wo steht also die Mauer? Mauern markieren ja den Beginn einer Stadt oder Festung, doch bei einem Würfel erscheint das auf den ersten Blick unlogisch. Um sich das Himmlische Jerusalem optisch vorstellen zu können, müssen wir kurz die Bibel verlassen und andere Hilfsquellen zu Rate ziehen. J.R.R. Tolkien hat in „Der Herr der Ringe“ die fiktive Stadt Minas Tirith erdacht. Diese Stadt – im Film „Die Rückkehr des Königs“ zu sehen – ist eine einzige gigantische Festung und gleichzeitig eine Stadt. Stadt und Festung sind also eins. Die Mauern von Minas Tirith sind Teil der Stadt, deren Festung sich spiralförmig nach oben zieht. So ähnlich kann man sich das Himmlische Jerusalem vorstellen, nur das dort die Festung gerade nach oben geht, wie bei einem Würfel eben. Das Himmlische Jerusalem ähnelt also eher einem riesigen Wolkenkratzer, der mit 2400 km 2900-mal höher ist als das derzeit höchste Gebäude der Welt in Dubai; von der Länge und Breite ganz zu schweigen. Viel Platz also. Vielleicht ist so auch der Satz von Jesus zu verstehen: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14,2). Wohlgemerkt spricht hier Jesus von Wohnungen, nicht von Einfamilienhäusern. Eine Wohnung ist ja Teil eines Gebäudes, das viele beherbergt. Wenn der Himmel also so gestaltet ist, dass wir in einem gigantischen, aus Edelsteinen bestehenden Wolkenkratzer leben werden, stellt sich die Frage, ob das nicht etwas zu viel Gebäude und zu wenig Natur ist. Mit anderen Worten: Gibt es etwas Grünes, etwas, das uns frische Luft schenkt, ein wenig Auslauf oder sind wir im „Drinnen“ gefangen? Auch hier liefert uns Johannes die Antwort: Er sieht „einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus. Zwischen der Straße der Stadt und dem Strom, hüben und drüben, steht ein Baum des Lebens. Zwölfmal trägt er Früchte, jeden Monat gibt er seine Frucht“ (Offb 22,1-2). Die Natur scheint also nicht abgeschafft zu sein; sie lebt in der Ewigkeit vollendet und üppiger weiter, was ihre Fruchtbarkeit beweist, die zwölfmal stärker ist als die Fruchtbarkeit der Natur unserer Welt, da man Wein beispielsweise nur einmal im Jahr erntet. Auch das bereits erwähnte „Wasser des Lebens“, der Strom, zeugt von der Strahlkraft der himmlischen Natur. Dieser Strom tritt an die Stelle des Meeres, das wir heute zwar mögen, damals jedoch ein Symbol des Chaos und des Unheils war. Obwohl wir also in einem riesigen Gebäude zu leben scheinen, gibt es dennoch Natur und sogar Wasser. Das „Innen“ scheint somit mit dem „Außen“ verwoben zu sein. Das ist nicht leicht zu verstehen, zumindest nicht mit den Sinnen, die uns in dieser Welt von Gott gegeben sind. Es ergeben sich noch andere Kuriositäten wie zum Beispiel die, dass es keine Sonne, keinen Mond und keine Nacht mehr geben wird. Wie bleibt es dann hell? Darauf Johannes: „Die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie [die Stadt] und ihre Leuchte ist das Lamm“ (Offb 21,23). Obwohl es also keine Sonne, keinen Mond und keine Nächte mehr geben wird, gibt es dennoch Tage, Monate und Erntezeiten. Das ist in der Tat kurios. Eine letzte Kuriosität schildert Johannes am Ende: Er sieht, wie die Völker Kostbarkeiten in die himmlische Stadt bringen, deren Tore immer offen sind. Ein paar Zeilen weiter beschreibt Johannes zudem, dass die Völker im Himmlischen Jerusalem geheilt werden. Es scheint also nicht nur die Stadt Jerusalem zu geben, sondern auch Völker, die ein- und ausgehen und somit von woanders herkommen. Wenn sie aber ein- und ausgehen, dann scheint der Himmel noch viel größer zu sein als das ohnehin gigantisch große Himmlische Jerusalem: Ein weites, weites, ewiges Land. Anhand der Größe und Unermesslichkeit des Universums bekommen wir eine Ahnung, wie groß die Ewigkeit sein könnte; wie groß die Potenz Gottes sich ausmisst. Wenn es also ein Himmlisches Jerusalem gibt, gibt es vielleicht auch ein himmlisches München und womöglich sogar ein himmlisches Hofbräuhaus. Vielleicht ist der Himmel also doch nicht so langweilig, wie es der Münchner im Himmel befürchtet. Achja, was das Wasser, das Meer und den Strandurlaub angeht, der uns in dieser Welt in Konkurrenz zum Himmel wie ein Paradies erscheint: Der Strom, den Johannes beschreibt, dürfen wir uns wie alles im Himmel ruhig sehr groß vorstellen; keine Isar also. Womöglich trägt er mehr Wasser als alle Meere unserer Welt zusammen. Es ist also nicht ausgemacht, dass wir im Himmel auf unseren geliebten Strandurlaub verzichten müssen.
Ich glaube, dass, wer den echten Himmel und nicht seine Karikatur kennenlernt, kein Bedürfnis mehr hat, zur Erde zurückzukehren, weil es im Himmel viel schöner ist. Und der Himmel beginnt tatsächlich bereits in unserer Welt. Solange uns noch etwas Zeit hier bleibt, gilt jedoch: Bleibt der Erde treu! Aber freuen auf das kommende weite Land dürfen wir uns trotzdem.
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