Zum Inhalt springen

Der Wasserfall

Eines Nachts zu später Stunde
Schweigend ich des Weges geh.
Meilenweite Menschenleere,
Dank des Himmels Wolkensee.

Nasse Schlender-Wander-Kleidung,
Dumpfes Rauschen in der Fern,
Parallel mein Herzcrescendo:
Einsamkeit, dich hab ich gern!

Zaghaft werden meine Schritte,
Mein Gespür ist auf der Hut,
Der sonst stolze Wuchs verkümmert,
Nur der Schatten nährt sich gut.

Nähert sich ein fernes Wesen?
Eine fremde Geistgestalt?
Seh ich etwa schon Gespenster?
Spukt es vor dem nahen Wald?

Nacht spricht keine traute Sprache,
Keinen nimmt sie an die Hand,
Endlich kann ich weiteratmen,
War nur eine Nebelwand.

Bei den schwarzen Waldestoren,
Die nun Höllenpforten gleich,
Steh zur Geisterstund am Eingang,
Herz klopft mir die Sinne weich.

Ach, was solls, das Holz, der Hausherr,
Herzlich lädt er zu sich ein,
Mag es, Gäste zu empfangen,
Also stapf ich in den Hain.

Kurzer Pfad nur müsst ich nehmen,
Beinah wär ich wieder raus,
Doch ein Irrweg wurd zur Falle,
Waldung spielt gern Katz und Maus.

Taste mich von Baum zu Tanne,
Stock zu Strauch und such ein Licht,
Sterne sind allsamt verhangen,
So wie meine Zuversicht.

Nach der Hoffnung bangt mein Streben,
Nach des Ausgangs hellem Schein,
Da verraucht der Nebelschleier:
Mond, du schöner Edelstein!

Raus aus dieser dunklen Kammer,
Der ich nun den Rücken kehr,
Fort mit großen Heldenschritten,
Wie das Volk im Roten Meer.

Ob nun Regen, Sturm und Kälte,
Nebelwald und Dunkelheit,
Das allein, was mich beeindruckt:
Meine Übermenschlichkeit!

Der Natur setz ich ein Denkmal,
Wallend wandert jeder Mensch,
Die Natur gleicht der Maschine,
Doch ein Riese ist der Mensch.

Spott jedoch des Herzens Einfall
Wegen meiner Prahlerei,
Schlägt die Brust mit Trommelschlägen,
Rächt des Hochmuts Trügerei.

Ungern scheint das Herz im Menschen,
Es will raus in die Natur,
Ist somit der Leib des Menschen
Lebenslang dem Herz Klausur?

Immer lauter klopft das Ahnen
Und der ewig dumpfe Lärm,
Hörte anfangs ihn von Weitem,
Nun bewusst von naher Fern.

Ohnmacht drückt in mich die Sporen,
Ohren gehen im Geschirr,
Augen suchen Himmelslichter,
Chaoswetter wütet wirr.

Einsam ich im kalten Sturme,
Mächtig nah kommt diese Flut,
Nass und nässer alle Seiten,
Wild und tief stürzt Wasserwut.

Stolpernd ende ich des Weges:
Erdenreich, du hast gesiegt!
Sich der Vorhang schließlich öffnet,
Stolzer Wuchs vom Schwall zerstiebt.

Langsam hebt mein Blick das Haupte,
Haare stürmisch wie der Wind,
Plötzlich sehen blinde Augen:
Alle sind der Sintflut Kind!
Published inLyrik

Sei der Erste, der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert