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Gedanken am See

Überall das Gleiche,
Egal an welchem See.
Man will gerne sehen,
Man wird gern gesehen.
Man versucht,
Es sich bequem zu machen.
Man will lachen
Und nicht weinen.
Nur ich,
Ich würd gern weinen,
Doch leider kann ich nichts empfinden.
Keine Trauer,
Auch nicht Freude.
Ich bin nicht wie die Meute
Und posiere hier herum,
Ich geb nix drum.

Man will auch Geld
Von mir hier haben,
Gerade an den Sommertagen.
Das Hier-Schreiben
Und Hier-Liegen
Muss ich mir verdienen.
Die Welt gehört zudem
Den Starken
Mit bunt bemalten,
Breiten Armen.
Von solchen Orten Nutzen
Haben sie,
Die Haut und Haar
Mit Sand beschmutzen,
Drum sind sie hier,
Hier mit mir.

Nun schau!
Schon kommt eine Wolkenfront!
Wie es hektisch wird im Volk!
Wie sie ihr Zeug zusammenpacken!
Wie sie rüsten und wachen!
Was sie erschreckt
Und schneller macht,
Wenn einmal ein kleiner Donner kracht!

Schon ist vorbei der Heidenspaß.
Ein Stein fliegt
In ihr Haus aus Glas.
Niemand will mehr bleiben.
Man hört sogar die Kinder weinen.
Ihr Lachen eben war noch so süß,
Nun gleich dem Wetter,
Trüb und wüst.

So ist das Leben,
Liebe Kinder.
Eben konntet ihr noch Spiele spielen,
Noch eben konntet ihr das Leben lieben.

Doch, liebe Kinder,
Der Donner kommt schnell,
Schneller der Blitz
Und sein Schauerkartell.

Ergreifet die Flucht!
Kein Ort euch noch bleibt.
Ihr braucht schnell ein Dach
In kürzester Zeit.

Kommet ihr an,
So wärmt euch mit Tee,
Trocknet sie ab,
Die Nässe vom See!

Lasst euch nicht das Lachen nehmen!
Entsagt euch niemals diesem Leben!
Man zwingt euch bald zum Lernen.
Sie verbieten euch das Lärmen.
Ihr müsst dann Zeit und Zahlen lieben.
Am Morgen darf man nicht mehr liegen.
Man hüllt euch in Gesetze ein,
Dann werdet ihr erwachsen sein.

Da wir nun etwas älter sind,
Sind wir für reiches Leben blind.
Den Garten haben wir verlassen,
Weil wir gelernt haben zu hassen.
Verlasst nicht euer Paradies!
Jetzt ist es noch ein Goldverlies.
Das Gold aber wird man euch nehmen.
Bald, Kinder, steht ihr erneut im Regen.

Wenn ihr einmal älter seid,
Erstarrt der biegsam grüne Zweig.
Dann konstatiert ihr stumm:
War ich nicht eben erst noch jung?

Spielt auch im Trüben immerzu,
Klagt kein Ach und Weh!
Und in den Sonnenstunden
Pflückt den dreiblättrigen Klee!

Spielt auf der Erde,
Auch bei Regen!
Empfangt von oben
Himmlisch seinen Segen!

Setzt euch kein allzu großes Ziel!
Erinnert euch an euer Spiel!
Denkt an diesen Tag zurück!
Ich war dabei.

Und nun schaut!
Der Himmel!
Die Sonne strahlt!
Der Regen ist vorbei!

Sucht das wahre Glück im Leben,
Habt bei jedem Wetter Dank!
Denkt an mich,
Den Dichter auf der Fensterbank.

Sucht wie heute
Hier im Grünen
Nahe am See
Den einen, seltenen, vierblättrigen Klee!
Published inLyrik

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