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Helheim

Es gab einen Ort,
Es gibt ihn noch heute.
Hübsch diese Kleinstadt,
Hübsch sind die Leute.

Dort ist es recht kalt,
Doch nachts wird es warm,
Dort ist jeder im Urlaub,
Ob reich oder arm.

Von Bergen umrundet,
Alles hat seinen Preis,
Ein Bach tränkt die Stadt,
Alles schneepulverweiß.

Ich war da.
Die Tragödie fand hier statt.
Die Pforten der Hölle
Schlummern in der Stadt.

Hier streichen die Winde
Den Wäldern durchs Haar,
Dort scheinen die Menschen,
Nicht Geister recht rar.

Der Baum der Versuchung
Nährt diesen Hort,
Spuk ist real,
Real war ein Mord.

Jemand liegt dort begraben,
Hier ruht ein Geheimnis.
Eine zarte Baumfrucht
Gärt dort in Fäulnis.

In dieser Stadt las ich damals
Ein paar Zeilen bei Nacht,
Jene Nacht hat damals
Um den Schlaf mich gebracht:

"Der Tod tritt ein
Von Lust gelenkt,
Die Tür verschlossen,
Die Blut getränkt."

Unsigniert
Dies Schreiben war
Auf einem Bierdeckel
In einer Bar.

Ich verstand den Sinn
Der Worte nur schwer,
In meinem Kopf gingen
Ständig jene Zeilen umher.

Ich kippte mein Glas
Schnell in mich rein,
Griff nach der Jacke,
Mit ihr ging ich heim.

Im frischen Schnee
Stampfte ich heim,
Der Schnee wurde licht
Im Laternenschein.

Da zog ein Hund
Wie ein Schatten herbei,
Schnell wich der Schatten,
Der Hund zog vorbei.

Ich kam an die Stelle,
Die das Tier erschleichte,
Blutig die Spur,
Die ich mich erreichte.

Ich folgte dem Rot
Wie ein Faden zum Wald,
Am Ziel war ein Gatter,
Nur offen ein Spalt.

Da sah ich
Ein armes Lämmlein in Pein,
Es wurde gerissen,
Es verschied in dem Hain.

Ich trug das tote Lamm
Auf dem Arm,
In meinem Garten begraben,
Sein Blut war noch warm.

Mit blutigen Händen
Den Türknauf gedreht,
Weiß als ich eintrat,
Vom Nachtschnee verweht.

Am nächsten Tag
Trat ich heraus,
Tot lag in Wunden
Eine Frau vor dem Haus.

Im Wald begrub ich
Die Tote schnell,
Im Wald schallte schrecklich
Ein Hundegebell.

Das Gatter stand
Nun ganz weit offen,
Dennoch niemand
Angetroffen.

Zu lang war die Nacht,
Zu lang war ich wach,
Die blutenden Hände
Wusch ich im Bach.

Ich sah nun klar
Der Worte Sinn,
Verließ die Stadt,
Ich gab sie hin.

Es ruht ein Mysterium
Vor eines Baumes Stamm,
Bis heute sucht
Die Stadt ihr Lamm.
Published inLyrik

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