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Der Maibaum

Einst war sein Stamm die Kunst des Lebens,
Bald wurde er ein riesiger Schaft.
Seine Krone entwuchs diesem Baume,
Seine Wipfeln erreichten die Himmel,
Prächtige Farben zierten ihn bunt
Und seine Früchte nährten die ganze Welt.
Da wurde es Herbst und er verlor seine Blätter.
Man nahm sie vom kalten Boden
Und bedeckte damit die Scham.
Die nackten Zweige des Baumes
Zeigten nun dessen Winterstruktur
Und alle Welt nannte es Kultur.

So hat sich der Mensch
Seiner Wurzel entrissen,
Seinem Stamm
Den Rücken gekehrt,
Mit toten Blättern
Die Haut bedeckt
Und sich
Vom Fallobst
Des Kultes ernährt.
Seit dem
Sucht heute noch
Der Mensch
Verzweifelt
Den alten Baum,
Den Frühling,
Die Kunst des Lebens,
Vergebens.
Published inLyrik

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